Die Solothurner Filmtage eröffneten ihren Festivalreigen 2025 mit Thomas Haemmerlis neustem Werk «Die Hinterlassenschaft des Bruno Stefanini». Vorab dies: Während seiner gut 90 Minuten lässt der Film niemals Langeweile aufkommen.

Das Leben des Winterthurer Milliardärs, Sammlers und Jägers (von Häusern, Frauen, Devotionalien und Kunst) strotzte derart vor Wendungen, Überraschungen, Irrläufen, Höhe- und Tiefpunkten, dass es ohne weitere Zutat unterhält. Es wäre beinahe unmöglich, aus diesem Stoff eine Story zum Gähnen zu zimmern. Wohl auch aus diesem Grund erlag Thomas Haemmerli wohl der Versuchung, die Geschichte wie eine Tobildschau über einen Schulausflug zu erzählen. Von Anfang (Geburt 1927) zum Ende (Tod 2018), in strikt chronologischer Reihenfolge.
Schade, es hätte ganz andere Ansätze gegeben, die das Geschehen bedeutend erhellender auf die Leinwand hätten bannen können. Indem zum Beispiel ein Aspekt des bunten und tragischen Stefanini-Lebens in aller Tiefe und Gründlichkeit ins Zentrum gerückt worden wäre. Letztlich bleibt uns Stefanini aber fremd, weil wir auch am Ende nicht verstehen, was ihn zum Beispiel dazu bewog, einerseits hypergeizig jeden Rappen zu spalten und anderseits Tausenden von Mieterinnen und Mietern in seinen Häusern einen Gefallen zu tun, indem er zwar nie renovierte, aber auch nie die Mieten erhöhte. Die verfallenden «Stefanini-Häuser» sind dadurch in Winterthur zum stehenden Bergriff geworden für jede verlotterte Liegenschaft.
Solche Rätsel bietet das Leben des Sohns einer Glarnerin und eines italienschen Migranten zu Hauf. Beiläufig erfahren wir, dass er einer Freundin zwei Abtreibungen bezahlt hat. Nur kurz hält der Film inne, als er den Selbstmord von Stefaninis ältestem Sohn rapportiert. Solche Dramen reihen sich auf der gleichen Ebene ein wie der gemeinsame Kauf eines Ankerstichs mit Christoph Blocher. Alles bleibt Anerdote, bis hin zu den letzten offenbar gebrechlichen und leidvollen Jahre des Protagonisten.
Ich hoffe, dass jemand diesen Stoff entdeckt und wirklich Licht ins Dunkel einer Persönlichkeit bringt, die viel mehr als nur den jeweiligen Zeitgeist verkörpert. Die Unterstützung der Stefanini-Stiftung «für Kunst, Kultur und Geschichte», deren Direktorin Bettina Stefanini (einer Tochter von Bruno Stefanini) an der Première in Solothurn einen hoch reflektierten Auftritt hatte, sollte dem nächsten Projekt gewiss sein.
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