Die so genannte Ecopop-Initiative gibt sich ökologisch, löst aber kein einziges Umweltproblem. Mit Einwanderungsbeschränkungen will sie Engpässe auf dem Wohnungsmarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln lindern, erreicht aber das Gegenteil. Ganz abgesehen vom Flurschaden, den das Begehren in der Wirtschaft, speziell auch in der Region Basel, anrichten würde.

Doch der Reihe nach: Die Initiative will die jährliche Zuwanderung in die Schweiz von heute 80 000 auf 16 000 Personen senken. Davon wären vor allem hoch qualifizierte Ausländerinnen und Ausländer betroffen. Andere Länder haben hunderttausende von Euro oder Dollar in die Ausbildung dieser Menschen gesteckt. Wir sparen uns diese Investition und schonen damit unsere Kassen.
Mit ihren Steuern finanzieren die wohlhabenden Migranten unsere Infrastruktur kräftig mit. Ohne ihren Zustupf wären manche Ausbauten von Bahnlinien, erneuerbaren Energien oder Museen gefährdet.
Aber belasten die «Expats» nicht unser Ökosystem über Gebühr? Die meisten grossen Umweltprobleme, etwa die Klimaerwärmung oder der Verlust der Artenvielfalt, sind heute nicht lokal, sondern global. Die Schweizer Siedlungsstruktur, unser Energiesystem oder auch die Landwirtschaft sind zwar nicht nachhaltig, aber sie beanspruchen deutlich weniger Ressourcen pro Kopf als der Durchschnitt dieser Systeme in anderen hochindustrialisierten Ländern. Wandert ein Mensch zum Beispiel aus den USA ein, reduziert sich im Schweizer Umfeld automatisch sein Energieverbrauch, etwa weil es mehr öffentliche Verkehrsmittel gibt. Weltweit gesehen – und darauf kommt es an – ist diese Einwanderung also positiv für die Umwelt.
Die Ecopop-Initiative verleugnet diese Zusammenhänge. Dafür verlangt sie, dass wir zehn Prozent unserer Entwicklungshilfe in die Förderung freiwilliger Geburtenregelung im Ausland stecken. Hier bewegt sich das Volksbegehren endgültig im Fahrwasser der braunen Tradition, welche unterscheidet zwischen höher- und minderwertigem Leben.
Denn wo betreibt die Schweiz Entwicklungshilfe? Sicher nicht in Deutschland oder Kanada, sondern ausschliesslich in den ärmsten Ländern. Dort leben jedoch die Menschen mit dem kleinsten ökologischen Fussabdruck. Zehn Inder verbrauchen durchschnittlich gleich viel Energie wie ein einziger Westeuropäer.
Um die Umwelt echt zu entlasten, müsste die Initiative verlangen, dass die Schweiz den Absatz der Antibabypille zum Beispiel in England, Nordamerika oder Australien fördert. Oder weshalb nicht gleich in der Schweiz und hier speziell in Wollerau, wo die fettesten Autos zirkulieren und überdimensionierte Eigentumswohnungen die Landschaft verschandeln? Mit ihrem vorgeschlagenen Eingriff bei den Ärmsten der Welt entlarvt die Initiative ihren wahren Charakter.
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